Konzert und Theater St. Gallen präsentiert eine attraktive Spielzeit 2026/2027
«Grenzgänge» ist das Motto in vielseitigen Aufführungen
Die Saison 2026/27 von Konzert und Theater St. Gallen steht unter dem Motto «Grenzgänge». Sie beginnt mit dem Eröffnungsfest am 22. August 2026 und endet mit den Festspielen. 2027 ist die Festspieloper, Giuseppe Verdis «Otello», turnusgemäss wieder auf dem Klosterhof zu erleben. Zudem markiert die Spielzeit die Ankunft von Pietro Rizzo als neuem Chefdirigenten und Künstlerischen Leiter der Konzertsparte.
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Konzert & Theater St.Gallen ist ein schöner Ort für Kunst und
Begegnungen. Die Saison 2026/2027 bietet viel Unterhaltung.
(c) Foto: Roland P.Poschung/Kulturonline.ch
Die Saison 2026/27 ist die vierte unter der Intendanz von Jan Henric Bogen. Zur selben Zeit hatten auch Barbara-David Brüesch und Frank Fannar Pedersen ihre Arbeit als Künstlerische Leiterin des Schauspiels bzw. als Künstlerischer Leiter der Tanzsparte aufgenommen.
Keine personellen Veränderungen
Das Künstlerische Leitungsteam bleibt in der neuen Spielzeit bis auf eine Personalie unverändert: Pietro Rizzo löst Modestas Pitrenas ab und übernimmt als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter der Konzertsparte. Die übrige Geschäftsleitung, bestehend aus Florian Hennige (Technische Leitung Produktion), Christian Steinschaden (Technische Leitung Bühnenbetrieb), Guta Rau (Leitung Künstlerischer Betrieb), Susanne Steinbock (Kaufmännische Leitung) und Susi Reinhard (Leitung Marketing und Kommunikation), bleibt unverändert.
Mit dem Spielzeitmotto «Grenzgänge» begegnet Konzert und Theater St. Gallen der Wahrnehmung von Grenzen, die sich in den vergangenen Jahren verschoben hat: Grenzen werden zunehmend zum Mittel und Symbol für einen demokratischen Regress, zu Orten, an denen Mauern gebaut werden, an denen Repression und Gewalt drohen. Auch in der Schweiz wird offen darüber debattiert, wie Menschen möglichst effizient über Grenzen zurückgewiesen werden können. Angesichts dieser rigiden Grenzziehungen interessieren sich viele Produktionen der kommenden Spielzeit für das Spannungsfeld von Grenzüberschreitung und Grenzerweiterung.
Auswirkungen der Sparmassnahmen
Vor Kurzem präsentierte die St. Galler Stadtregierung das Entlastungsprogramm «Alliance». Dieses sieht vor, dass die Stadt ihre Subventionen zugunsten von Konzert und Theater St. Gallen um CHF 150'000 kürzen wird. Sie folgt damit anteilsmässig dem Kantonsrat, der bereits Ende 2025 beschloss, das «Gesetz über Beiträge an die Genossenschaft Konzert und Theater St. Gallen» dahingehend anzupassen, dass die Subventionen um netto CHF 350'000 gekürzt werden. Da die kantonalen und städtischen Sparmassnahmen mit Beginn des Kalenderjahres 2027 in Kraft treten, ist die kommende Spielzeit 2026/27 zur Hälfte von ihnen betroffen.
Die ausbleibenden Subventionen sollen im Wesentlichen durch Einnahmesteigerung, Prozessoptimierungen und massvolle Budgetkürzungen kompensiert werden. In der Saison 2026/27 werden die Sparmassnahmen keine sichtbaren Einschränkungen im Programm zur Folge haben.
Die Spielzeit 2026/27 im Überblick
Musiktheater – Der weltberühmte Tenor Rolando Villazón kommt nach St. Gallen
Die Opernsaison wird mit Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen eröffnet. Deren Titelfigur lässt das Spielzeitmotto konkret werden: Zwischen Realität, Traum und Imagination zeigt die Oper den Künstler E.T.A. Hoffmann als Schöpfer und Gefangenen seiner eigenen Bilder. Am Pult des Sinfonieorchesters St. Gallen steht erstmals Dirigent Michael Zlabinger, während in der Titelpartie der weltweit gefeierte Tenor Rolando Villazón nach St. Gallen zurückkehrt (Inszenierung: Guta Rau).
Zwischen der dritten und vierten Opernproduktion der Saison liegen 220 Jahre: Carlisle Floyds 1955 uraufgeführte Susannah ist die meistgespielte amerikanische Oper (Musikalische Leitung: Marit Strindlund, Inszenierung: Max Nattkämper). Georg Friedrich Händels Alcina zählt dagegen zu den bekanntesten Barockopern. Ihre Aufführungsgeschichte nahm 1735 ihren Anfang. Nach St. Gallen kommt sie unter der Musikalischen Leitung von Pedro Beriso und in der Regie von Maria Chagina. Bei Rossinis Cenerentola ist Pietro Rizzo in seiner neuen Funktion erstmals als Operndirigent zu erleben (Inszenierung: Anna Bernreitner).
Im Musical kommt es ebenfalls zu einer Rückkehr: Nachdem in den vergangenen beiden Spielzeiten die Uraufführung von Frank Wildhorns Einstein – A Matter of Time für Begeisterung gesorgt hat, ist der Erfolgskomponist nun zum ersten Mal in der Schweiz mit Jekyll & Hyde zu erleben. Inszeniert wird das auf Robert Louis Stevensons Schauernovelle über den ehrgeizigen Arzt Henry Jekyll basierende Musical von Gil Mehmert, der bei Einstein neben der Regie auch das Libretto verantwortet hatte. Weiterhin zu erleben ist die erfolgreiche Produktion des Musicals Hair.
Schauspiel – unter anderem mit «Der Prozess Pelicot»
Am Anfang der Schauspielsaison steht eine klare Grenzüberschreitung: Georg Büchners Titelfigur Woyzeck tötet seine Geliebte Marie. Für den Theaterklassiker kommt Regisseurin Corinna von Rad erneut nach St. Gallen – diesmal ins Grosse Haus, nachdem sie in der vergangenen Saison mit Tyll in der Lok deutliche Akzente setzen konnte. Kurz danach wird Büchners Thematik in einem vielstimmigen Reenactment erweitert: Mit ihrem mutigen Plädoyer «Die Scham muss die Seiten wechseln» veränderte Gisèle Pelicot die Diskussion über die bis heute präsente Gewalt an Frauen. Diesen Faden nehmen der St. Galler Theatermacher Milo Rau und Servane Dècle in «Der Prozess Pelicot» auf und arbeiten dafür mit dem hauseigenen Schauspielensemble sowie Gästen.
Einen Grenzgang anderer Art beschreibt die mit dem Schweizer und dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Dorothee Elmiger in «Die Holländerinnen», eine bildgewaltige Expedition durch Raum und Zeit. Für die Erstaufführung konnte der ehemalige St. Galler Schauspielchef Jonas Knecht als Gastregisseur gewonnen werden.
Weitere Schauspielproduktionen entführen etwa ins Nordengland der Thatcher-Ära, wo arbeitslose Bergleute beweisen, wie Musik soziale Grenzen sprengen kann: «Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten» kommt in der Regie von Christian Brey, der in St. Gallen bereits die «Rocky Horror Show» inszeniert hat, ins Grosse Haus. Die Uraufführung «Die Bäume» wiederum erforscht den Kahlschlag von Millionen von Hochstamm-Obstbäumen im Namen der Effizienzsteigerung der Schweizer Landwirtschaft. Ein Schauspiel von Ariane von Graffenried und Martin Bieri mit der Inszenierung von Barbara-David Brüesch.
Als Familienstück mit Musik von Kurt Weill bringt Barbara-David Brüesch zudem Mark Twains «Tom Sawyer und Huckleberry Finn» ins Grosse Haus. Weiterhin sind dort ihre beiden erfolgreichen Produktionen «Der Besuch der alten Dame» und «Die Legende von Sleepy Hollow» zu erleben.
Tanz – zudem mit demabendfüllenden Werk «From England With Love»
Die Tanzsparte behandelt «Grenzgänge» als Balanceakte. Das Austarieren und Freilegen von Potenzialen jenseits vertrauter Bereiche bilden den Kern. So etwa im interdisziplinären Abend «Pulso», bei dem Tanzchef Frank Fannar Pedersen und Javier Rodríguez Cobos erstmals mit dem renommierten Flamenco-Duo «La Venidera» zusammenspannen. Nach «Contemporary Dance 2.0» kehrt zudem der gefeierte Choreograf und St. Galler Publikumsliebling Hofesh Shechter mit seinem abendfüllenden Werk «From England With Love» in die Ostschweiz zurück – diesmal auf die grosse Bühne.
Ebenfalls im Grossen Haus wird der Doppelabend «Crescendo» mit zwei Choreografien von Charlie Skuy und Marioenrico D’Angelo gezeigt. In der Lokremise dagegen geht «Heartspace» in die zweite Runde: Nach der erfolgreichen ersten Ausgabe des Formats in der vergangenen Spielzeit lassen sich einzelne Mitglieder der Tanzkompanie auch in der Saison 2026/27 aus anderer Perspektive erleben, nämlich als Choreografinnen und Choreografen.
Konzert – mit Werken von Mussorgski, Sibelius, Bartók, Skrjabin, Korngold und Beethoven
Für die Konzertsparte und ihren neuen Künstlerischen Leiter Pietro Rizzo bedeutet das Spielzeitmotto, gemeinsam Grenzen auszuloten, gemeinsam zu wachsen und neue Winkel des Repertoires zu erkunden. Dafür stehen Werke von Mussorgski, Sibelius, Bartók, Skrjabin oder Korngold auf dem Konzertprogramm. Und natürlich darf im Beethovenjahr auch Beethovens 9. Sinfonie nicht fehlen: die musikalische Grenzüberschreitung schlechthin.
Das Programm besteht erneut aus zehn Tonhallekonzerten. Abgerundet wird es durch fünf Konzerte des «Meisterzyklus», in dessen Rahmen über alle Grenzen hinweg bewunderten Künstlerpersönlichkeiten wie Sol Gabetta und Gabriela Montero in der Ostschweiz auftreten werden. Kammermusik wird auch in den erneut fünf Konzerten der Reihe «Sonntags um 5», von und mit Mitgliedern des Sinfonieorchesters, gepflegt.
Vermittlung
Weiterhin eine tragende Rolle spielen die zahlreichen Vermittlungsangebote der Bereiche jung und mit … Neben dem Familienstück «Tom Sawyer und Huckleberry Finn» im Grossen Haus richtet sich auch Das «NEINhorn» an ein junges Publikum. Das Kinderstück in Zusammenarbeit mit dem Komiktheater der GHG Sonnenhalde Tandem und mit Musik von Marius Tschirky ist im Studio zu sehen bzw. als Klassenzimmer buchbar (Regie: Anja Horst). Die Konzertsparte führt mit einem reichhaltigen Angebot aus Schul-, Familien- und Krabbelkonzerten auch junge Ohren faszinierend an die Orchestermusik.
Selbst aktiv werden und einmal auf einer grösseren oder kleineren Bühne stehen, dies können Kinder und Jugendliche in den Jugendtheaterclubs, bei den Theater- oder Musikkids oder im Kinder- und Jugendchor sowie in der Theatertanzschule. Diese steht auch Erwachsenen offen, ebenso wie der Opernchor und die Statisterie.
Die 22. St. Galler Festspiele
Die Festspiele 2027 stehen im Zeichen der turnusgemässen Rückkehr in den Stiftsbezirk. Am 25. Juni 2027 feiert «Otello» Premiere auf der Freilichtbühne im Klosterhof. Inszeniert wird Giuseppe Verdis zweitletzte Oper von Krystian Lada, der 2023 mit der preisgekrönten Weltpremiere von Tobias Pickers «Lili Elbe» das erweiterte und renovierte Theater wiedereröffnet hatte und dort in der Folge zwei weitere Regiearbeiten präsentierte. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Chefdirigent Pietro Rizzo.
Im Schauspiel bringt Fabian Gross einen der wirkungsmächtigsten Ritterromane der Weltliteratur auf die Parkbühne: Miguel de Cervantes’ «Don Quijote». Der Regisseur, der im Studio bereits die erfolgreiche Produktion «Atmen» inszenierte, erzählt die unsterbliche Geschichte des «Ritters von der traurigen Gestalt» als feinsinnige Komödie über die Kraft des Träumens und Erfindens.
Die Projekte der Tanzkompanie im Rahmen der St. Galler Festspiele sind dafür bekannt, sich auf neue Umgebungen einzulassen und ungewöhnliche Orte choreografisch zu erkunden. Das gilt auch für die Festspielausgabe 2027, wo das Publikum in «Up Close» zwar im Grossen Haus, dort jedoch auf der Bühne Platz nimmt. Zu erleben ist ein Doppelabend, bestehend aus dem Stück «Eye Candy» des niederländischen Geschwister-Duos Imre und Marne van Opstal sowie einer Choreografie von Frank Fannar Pedersen und Javier Rodríguez Cobos.
Auch das Festkonzert kehrt 2027 zu seinen Wurzeln zurück: In der Kathedrale lässt das Sinfonieorchester St. Gallen unter der Leitung von Pietro Rizzo gemeinsam mit Gesangssolistinnen und -solisten des Musiktheaterensembles Rossinis «Petite Messe solennelle» erklingen. In der prachtvoll orchestrierten Fassung ist die feierliche Messe das ideale Highlight der Festspiele. Ergänzt wird das Festspielprogramm wie in den Vorjahren durch eine Reihe von Kammermusikformaten mit Fokus auf Alte Musik an unterschiedlichen Aufführungsorten in der Stadt.
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